Es war einmal, tief in den Wäldern des Elbenreiches Talviris, wo der Bach, den man heute als die alte Lorze kennt, unter seinem ursprünglichen Namen Lórandir durch das Land floss. In diesen Wäldern lebten die Xoloxen, ein stolzes Elbenvolk, das in enger Harmonie mit der Natur lebte. Sie bewohnten das Gebiet, das heute Ammannsmatt genannt wird, in jenen Tagen jedoch als Amarandal bekannt war, der „Hain des ewigen Schutzes“. Jedes Jahr, wenn der Winter seine eisige Hand über das Land gelegt hatte und die Natur im tiefen Schlaf lag, trafen sich die Xoloxen, um den Geist des Winters zu vertreiben und den Frühling willkommen zu heißen.
Dieses uralte Ritual war von großer Bedeutung für die Xoloxen und wurde stets zur Zeit der Fasnacht abgehalten – dem Ende des Winters, wenn die Tage langsam wieder länger wurden und die ersten warmen Winde durch die Bäume flüsterten. Die Fasnacht der Xoloxen war kein gewöhnliches Fest. Es war das Fest der Winteraustreibung, bei dem die Wintergeister aus dem Land verjagt und die Lebensgeister des Frühlings geweckt wurden.
Die Xoloxen versammelten sich in ihren typischen grünen und roten Gewändern, die Frauen in prächtigen Umhängen und die Männer in braunen Hosen und grünen Leinenhemden. Jeder trug ein Schwert, das im Schein des abnehmenden Winterlichts glitzerte. Sie wanderten in einer feierlichen Prozession zum Bach Lórandir, wo sie ihre Rituale vollzogen, um die Natur zu ehren und die Kräfte des Winters zu besänftigen. Dabei sangen sie uralte Lieder, die die alten Götter und Wesen der Natur anriefen, besonders die geheimnisvolle Valeska, die Wächterin des Wassers und der Fruchtbarkeit, die in den Tiefen des Baches ruhte.
Das Fest begann, wenn die Xoloxen am Ufer des Baches standen und in die kalten Gewässer Lórandirs starrten. Mit Fackeln und Gesängen forderten sie den Winter heraus, indem sie mit ihren Schwertern auf den Boden schlugen und den eisigen Winden befahlen, zu weichen. Diese mächtige Zeremonie sollte die Wintergeister aus ihrem Versteck treiben und den Bann brechen, den der Frost über das Land gelegt hatte.
Doch das war nicht die einzige Macht, die sie anriefen. Die Xoloxen wussten, dass sie die Hilfe der Valeska benötigten, um den Winter endgültig zu vertreiben. Elros, der tapfere Anführer der Xoloxen, hob sein Schwert und rief nach der Wächterin: „Valeska, Herrin des Wassers, wir bitten dich, den Winter mit deiner Macht zu besänftigen und den Frühling in unser Land zu rufen!“
Aus den Tiefen des Baches erhob sich ein sanftes, blaues Leuchten, und Valeska erschien in ihrer vollen Pracht, ihr grünes und rotes Gewand aus Blättern und Wasser schimmerte im Mondlicht. Sie lächelte den Xoloxen zu und sprach: „Euer Ruf ist erhört, tapfere Xoloxen. Der Winter wird weichen, und der Frühling wird bald mit seiner ganzen Kraft das Land erblühen lassen.“
Mit einem leichten Wink ihrer Hand ließ Valeska das Wasser des Lórandir in sanften Wellen fließen, die die letzten eisigen Spuren des Winters fortspülten. Der Wind drehte, und die Kälte begann sich zurückzuziehen. Es war, als ob die ganze Natur aufatmete und sich auf den nahenden Frühling vorbereitete.
Von diesem Moment an war die Fasnacht für die Xoloxen nicht nur ein Fest, sondern ein heiliger Akt, um die Wintergeister aus Amarandal zu vertreiben und das neue Leben des Frühlings zu begrüßen. Jahr für Jahr wiederholten sie dieses Ritual, um sicherzustellen, dass die Wintergeister niemals das Land fest in ihrem Griff hielten.
Noch heute, wenn in Ammannsmatt die Fasnacht gefeiert wird und der Bach der alten Lorze rauscht, erinnert sich die Erde an die uralten Gesänge der Xoloxen. Und in den stillen Nächten, wenn der Winter langsam schwindet, kann man vielleicht noch das Flüstern der Valeska hören, die über die alte Lorze wacht und sicherstellt, dass der Frühling stets zurückkehrt.
